Wahrlich eine kaiserliche Angelegenheit!
Anders kann man die 1. historische Ausfahrt des ACS Thurgau wirklich nicht bezeichnen! Auf den 13. Juni 2009 hatte «der Club» zu einer historischen Spurensuche geladen. Louis Napoléon, der spätere Kaiser Napoleon III., und bis heute einzige Ehrenbürger des Kantons Thurgau, stand Pate und gab mit seiner Biografie die Route vor. Immerhin verbrachte er die längste zusammenhängende Zeit seines Lebens am und um den Bodensee und bezeichnete ihn bis zu seinem Tod auch immer als seine Heimat.
Bei «Kaiserwetter» trafen sich die Teilnehmer morgens um halb Neun zunächst auf Schloss Arenenberg, dem Elternhaus «Seiner Majestät». Bei «petit-déjeuner» gab es einleitende Worte von Dominik Gügel, dem Direktor des Napoleonmuseums Thurgau, der den Ausflug mit seinen Ausführungen den ganzen Tag begleitete. Von dort ging’s zu Fuss in den frisch restaurierten Arenenberger Park, der einen ersten Eindruck von der Vielfältigkeit des napoleonischen Wirkens am See vermittelte.
Anschliessend begab man sich in einem vielbewunderten Oldtimer-Corso zunächst nur einen «Katzensprung» weiter – nach Schloss Eugensberg, das von Eugène de Beauharnais, dem Onkel Napoleons III. errichtet worden war. Wäre man nicht mit «Stahlkarossen », sondern in hölzernen Kutschen unterwegs gewesen – fast hätte man von einer Zeitreise sprechen können. Bewundernswert waren der wunderschöne Schlosspark von Eugensberg und seine historischen Gebäude, die kostbaren Oldtimer boten Anlass zu vielerlei Fachgesprächen.
Von dort führte die Rundfahrt weiter nach Schloss Wartegg oberhalb von Rorschach, einst im Besitz anderer kaiserlicher und königlicher Familien, der Habsburger und Bourbonen, die wie die Bonapartes hier zeitweise ebenfalls im Exil lebten. Durch ein köstliches «dîner» gestärkt, ging die Reise durch st. gallische und thurgauische Grenzlande weiter in das bei Amriswil gelegene Schloss Hagenwil. Eine beeindruckende mittelalterliche Anlage – inmitten eines gefluteten Wassergrabens gelegen und heute hervorragend gastronomisch betreut. Nicht umsonst liebte Louis Napoléon Ausflüge dorthin und nahm sicher auch gerne einen anregenden «Mocca » ein, bevor er sich – wie seine modernen Reisebegleiter des 21. Jahrhunderts – wieder Richtung See aufmachte. Oberhalb Tägerwilen wartete in Form der Ruine Castell ein weiterer Leckerbissen auf die Wissbegierigen. Vom restaurierten Bergfried aus genossen die Teilnehmer nach einer kurzen Einführung in die Geschichte vom «Kaschtel » einen fast einzigartigen Blick über die «Côte Napoléon», die napoleonische Küste. Sie bezieht sich – grob gesagt – auf die Gegend zwischen der Insel Mainau / Kreuzlingen-Konstanz / der Reichenau und Hegne Richtung Stein am Rhein. Bis heute geprägt durch ihre zahlreichen Schlösser und deren teilweise verwilderten oder scheinbar verschwundenen Gärten. Eine wunderschöne, aber weitgehend vergessene Parklandschaft, deren gepflegte Wiesen und Felder das wichtigste Verbindungselement zwischen den einstigen napoleonischen Adelssitzen darstellt. Im Zentrum natürlich Schloss Arenenberg, das mit seinem frühen Landschaftspark zum Vorbild für die gesamte Region wurde.
Den Abschluss erlebte die Gruppe in Gottlieben direkt am Rhein. Das dazugehörige einst bischöflich-konstanzische Schloss, später von Louis Napoléon für seine Verlobte Mathilde im Stil eines venezianischen Palazzo umgebaut, war leider nur von aussen zu besichtigen. Dafür bot aber die «Krone» einen standesgemässen Abschluss in Form eines «kaiserlichen Souper». Adel verpflichtet eben – wie das Sprichwort so schön sagt!
Domonik Gügel, Direktor des Napoleonsmuseum Thurgau
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Dominik Gügel. Der nicht nur diesen Artikel in munterer Art geschrieben hat, sondern uns die Geschichte, das Land und die Menschen unserer unmittelbaren Heimat erlebbar gemacht hat!
Konnten wir Sie „gluschtig machen“ und möchten Sie bei der historischen Ausfahrt das nächste Mal dabei sein? Kein Problem – wenn Sie mit Ihrem Oldtimer dabei sein möchten, teilen Sie uns Ihre E-Mailadresse mit und wir werden Sie mit der Ausschreibung beliefern. Wir bitten jedoch um etwas Geduld. Eine Neuauflage ist frühestens im übernächsten Jahr, also 2011, geplant. Dies ist so, weil 2010 neben unserer Generalversammlung im Mai, gleich zwei weitere Grossanlässe auf dem Programm stehen.
1. Am 24. und 25. April 2010 stehen die traditionellen Auto-Renntage in Frauenfeld auf dem Programm und 2. am 25. und 26. September 2010 heisst es wieder auf nach Steckborn. Die Besucher erwartet beim Memorial Bergrennen Steckborn-Eichhölzli eine tolle Rennatmosphäre, über 200 Oldtimer aus allen Epochen der Automobilgeschichte, 50 historische Motorräder und viel Prominenz. Bestimmt ein unvergessliches Erlebnis! Reservieren Sie sich diese Termine und lesen Sie mehr darüber in einer der nächsten Ausgabe unseres Clubmagazins.
Herzlichst, Ihr
Christof Roell
Präsident ACS Thurgau